Rieber Roadrunner beim Berlin-Marathon 2002


29.10.2002: Der real,- BERLIN-MARATHON ist seinem Ruf als eines der spektakulärsten und zugleich schnellsten Rennen weltweit über die klassischen 42,195 Kilometer einmal mehr gerecht geworden. Ein Jahr nachdem Naoko Takahashi in Berlin als erste Frau unter 2:20 Stunden gelaufen war, siegte die Olympiasiegerin erneut mit einer Weltklassezeit. Die 30-Jährige lief 2:21:48 Stunden und erzielte damit die 13.-beste Zeit aller Zeiten und die viertbeste in diesem Jahr. Vergleichsweise noch hochkarätiger und zudem spannender war das Rennen der Männer, das der Kenianer Raymond Kipkoech in 2:06:47 Stunden gewann. Dies ist die zehntbeste je gelaufene Zeit und wie Takahshi die viertschnellste in diesem Jahr. Zum ersten Mal blieben in Berlin zudem gleich drei Läufer unter 2:07 Stunden. Beim kenianischen Durchmarsch – die ersten Fünf kamen aus dem afrikanischen Laufland Nummer eins – blieben auch Simon Biwott (2:06:49 Stunden) und Vincent Kipsos (2:06:53) unter der prestigeträchtigen Marke. Lediglich einmal – beim London-Marathon im April – blieb noch ein Läufer mehr unter 2:07 Stunden. Und nur dieses Ausnahmerennen in England war in diesem Jahr bisher insgesamt noch besser als das diesjährige in Berlin.

Zusammen mit den rund 80 Weltklasse-AthletInnen gingen im nach dem New-York-City Marathon  zweitwichtigsten Marathon-Ereignis auf der Welt rund 33.000 Starter aller Leistungsklassen auf den Berliner City-Kurs.



Sonntag, 29.September 2002, 9:00 Uhr:
33.000 Läuferinnen und Läufer starten am Charlottenburger Tor in Richtung Siegessäule.


Mein Name ist Herbert Roos, ich arbeite in der IT-Abteilung der Rieber GmbH & Co. KG  und startete bereits zu vierten Mal nach 1999 in Berlin. Nach zwölf wöchiger Vorbereitung ging ich mit dem Wunsch an den Start, die für Hobbyläufer magische drei Stunden Marke zu knacken. Die Voraussetzungen hierfür waren bei bedecktem Herbsthimmel und 12 Grad Celsius nicht schlecht.
Der Startschuss erfolgte pünktlich um 9:00 Uhr und wurde angeblich von Verena Feldbuch abgefeuert - was leider zu Frau Feldbuschs Verdruss kaum jemand bemerkte. Als ich schließlich im dichten Pulk über die Startlinie ging waren schon rund eineinhalb Minuten vergangen.



4:15 min/km nach 5 km -alles sieht gut aus, aber der Marathon ist ja bekanntlich ein 7km - Rennen mit 35 Kilometern Anlauf.


Nach etwas verhaltenem Start kam ich erst nach rund 5 km in den richtigen Laufrhyitmus von 4:15 min pro Kilometer. Ich musste zunächst etwas aufholen und konnte die Halbmarathon Marke schließlich bei 1:30:20 planmäßig passieren. Bis dahin lag ich ca. auf Rang 2800 und hatte die Masse der Marathoni bereits ein Stückchen hinter mir gelassen.
An der Strecke hatten sich einstweilen hunderttausende von Zuschauern eingefunden, die den Teilnehmern kräftig einheizten. In Kreuzberg spielten etliche Ethno-Bands und die Stimmung entlang der Straßen konnte gar nicht besser sein. Organisation und Verpflegung für die Läufer waren optimal und Berlin wurde seinem Ruf als einem der weltbesten Marathons gerecht. Spätestens alle 5km gab es Wasser, Tee, Iso-Drinks, Apfelstückchen und Bananen. Rechtzeitiges Trinken ist bei dem hohen Wasser- und Mineralverlust durch das Laufen Pflicht. Bis ins Ziel hatte ich rund eineinhalb Liter getrunken und dennoch gut 2,5 Kilo Gewicht, sprich Wasser, verloren.

Zwischen Kilometer 28 und 35 passieren die Läufer nun

einen leichten Anstieg hinauf zum "Wilden Eber".



Anstieg zum Wilden Eber: langsam werden die Beine schwer und die Muskeln hart.


Ab Kilometer 33 merkte ich, dass nun auch mein Marathon begann. Zahlreiche Läufer mussten bereits merklich  das Tempo drosseln,Gehpausen einlegen oder erlitten erste Muskelkrämpfe. Bei km 30 noch auf sicherem 3-Stunden Kurs musste ich langsam einsehen, dass aus einer neuen Bestzeit nix mehr werden würde. Mit leicht gedrosseltem Tempo von 4:25 min/km - erreichte ich den Platz am Wilden Eber, wo eine frenetisch jubelnde Menschenmenge, Sambatänzerinnen, Cheerleaders und ein riesiges Trommel-Orchester das Läuferfeld auf die letzten 7 km trieb. Bis km 40 sollte es nun etwas ruhiger weitergehen, bevor die Strecke ins Finish auf den Kurfürstendamm mündete. Dort trieben einen wieder die Zuschauer, die dicht gedrängt die Strecke säumten ins Ziel.


Nach 3:04:04 (netto) ist Läufer 17248 gut im Ziel angekommen.


Als ich nach drei Stunden vier Minuten und vier Sekunden die Ziellinie passiere war ich dennoch ganz zufrieden mit meiner Leistung. Marathon laufen heisst auch zu erfahren wo die eigenen Grenzen liegen. Im Zielkanal wurden uns Finishern von freundlichen Helferinnen und Helfern genau die selben Medallien und Urkunden überreicht, wie sie 57 Minuten zuvor der erst 23 jährige Sieger Raymond Kipkoech aus Kenia und 43 Minuten zuvor die japanische Siegerin Naoko Takahashi erhielten.