13. SCHWÄBISCHE ALB MARATHON / Schwäbisch Gmünd, 18.10.2003

Am Samstag fand die 13 Auflage dieses schweren Landschaftslaufes über 50 km statt. Bereits zum sechsten Male ging es über die seit 1998 bestehende Strecke über die drei Kaiserberge Hohenstaufen, Hohenrechberg und den Stuifen. Dabei waren insgesamt 1100 Höhenmeter zu bewältigen. Die Schwierigkeit dieses Rundkurses besteht nicht zuletzt darin, dass man diese 1100 Meter in zum Teil extrem steilem  Gefälle auch wieder hinab muss. Am besten schafften das bei den Herren Seriensieger Jürgen Wieser (3:20) und bei den Damen die Lokalmatadorin Andrea Calmbach (4:04). Roadrunner Herbert Roos startete bereits zum dritten Mal über die 50 km und beendete in neuer persönlicher Bestzeit (4:35). Hier sein persönlicher Bericht.
Start ist Samstag um 10:30. Da kann ich es mir erlauben erst um 6:45 Uhr aufzustehen. Nach drei Brötchen mit Marmelade, einer Tasse Kaffee und einer großen Fruchtsaft-Schorle, meinem üblichen Marathon-Frühstück, steige ich gegen 8:30 Uhr in den Wagen  und stehe um neun Uhr in den Umkleideräumen der Sporthalle nahe bei Start und Ziel. Dort lasse ich meine Sachen zurück und gehe erstmal hinüber ins rund 300m entfernte Wettkampfzentrum in der Schwerzer-Halle. Wie immer in Gmünd ist alles bestens organisiert und ich erhalte rasch und problemlos meine Startunterlagen. Zurück in der Sporthalle mache ich mich fertig für den Lauf. Es ist an diesem Morgen doch recht kalt, so um die null Grad und es liegt Raureif. Ich entscheide mich für kurze Tights, T-Shirt mit Singlet darüber und dünne Handschuhe. Zudem wende ich meinen alten Trappertrick an: ein paar alte Socken schneide ich an den Zehen auf und verwende sie als Ärmel. Wenn es dann wärmer wird, kann ich sie unterwegs wegwerfen.

Bereits in den Umkleiden treffe ich Bekannte wie Uli Mertz und Werner Hahn. Werner hat mich noch im Juni beim 100km - Lauf in Biel bei Kilometer 99 stehen lassen und mir bis ins Ziel eine Minute abgejagt. Na der kann heut' was erleben, der Lapp! Uli läuft mit seinen 62 Lenzen eh' wie vom andern Stern. Er sieht dazu noch unverschämt gut aus, braungebrannt vom Rennrad-Training und null überflüssiges Fett auf den Rippen. Ich wette 100 : 1, dass der Kerl wieder den Sieg seiner Altersklasse holt.

Um 10:20 Uhr gehe ich rüber zur Startaufstellung, Schwerzer-Allee, weit vor den Toren der Stadt. Neu in diesem Jahr sind die Transponder an den Rückseiten der Startnummern. Die Technik stammt offensichtlich von der elektronischen Warensicherung in den Einkaufszentren. Ideen muss man halt haben. Es stehen rund 1000 Läuferinnen und Läufer auf der Schwerzer-Allee, ca. 300 davon Starten in der 25 km - Wertung, die auf dem zweiten der Kaiserberge endet, dem Hohenrechberg. Da ich nicht zu schnell beginnen möchte, stelle ich mich im hinteren viertel des Feldes auf. Der lauf beginnt pünktlich um halb elf und die ersten Kilometer verlaufen flach im schattigen Wald. Es ist doch recht kühl. Ich laufe genau nach Pulsuhr, 150 - 153 Schläge in der Minute. Was mir auffällt, ist dass die meisten am Berg viel zu schnell sind, da werde ich immer wieder von denen überholt, die ich auf den Flachstücken stets ein- und überhole. Aber genau so bin ich meinen ersten Alb Marathon in Jahre 2000 auch gerannt, und dann bei km 40 fürchterlich eingegangen.

Im schattigen Beutental beginnt bei km 6 der erste deutliche Anstieg. Das Läuferfeld streckt sich merklich. Die, die mit Jacken, Flies-Pullover und langer Hose gestartet sind beginnen so langsam heisszulaufen. Am Ende dieses ca. 150-Meter Anstieges kommt man ans Wäscherschloss. Da liegt zwar noch der Reif, aber man erreicht nun die Sonnenseite - welch ein herrlicher Tag das wird!

Etwa alle fünf km kommt eine Verpflegungsstation. Die wird mustergültig bereits 200m vorher angezeigt. Die meist jugendlichen Helfer reichen einem Wasser, Iso, Tee und später auch Cola direkt in Bechern. Service wie für Profis! Was auffällt ist auch das sehr kompetente Läuferfeld. Da wird an den Tränken nicht gedrängelt und geboxt, da bleibt keiner einfach an den Tischen stehen und blockt die anderen. Es geht sehr diszipliniert und kameradschaftlich zu - vergleiche das mal mit Berlin oder Hamburg! Ich trinke zunächst immer einen Becher Wasser und einen mit leicht gesüßtem Tee. Meine Ärmel werfe ich nun weg.

Nach einem Radweg vom Typ Ex-Bahntrasse biegt man nun den Staufen vor Augen um scharfe 180° auf einen Schotterweg in ein Waldstück hinein, der erste Knackpunkt wird in Angriff genommen. Direkt vor dem Staufen wird's nochmals flach und asphaltiert, aber dann ist erst mal gehen angesagt. Auf dem Wanderweg gibt es Gegenverkehr, da auf dem Berg ein Wendepunkt ist. Der Weg ist dafür doch recht schmal und man geht halt im Gänsemarsch und nutzt die Zeit für die eine oder andere Plauderei. Oben ist die Aussicht schlicht phänomenal und man möchte gerne verweilen. Bergab treffe ich Werner Hahn, der ist höchstens 2 min hinter mir und sieht noch aus wie frisch gebadet. Aber wir sind ja erst bei km 16.

Uli Mertz, Sieger M60 und H.Roos vor den Hohenstauffen. Am Aufstieg macht Gehen Sinn.

Nicht weniger knackig ist dann der Abstieg - freier Fall sozusagen. Wer es hier schon so richtig krachen lässt, wird das noch bereuen, denke ich. Hinaus geht es auf den Asrücken, die Verbindung von Hohenstaufen und Hohenrechberg. Es pfeift ein kalter Ostwind und auch hier hat sich die Aussicht "gewaschen". Ich laufe flüssig und wie von selbst, bin mit mir und der Welt in vollkommener Harmonie - Flow wird das wohl genannt und an Tagen wie diesem funktioniert das besonders gut.
Rechberghausen: man sieht linker Hand bereits die Ruine Hohenrechberg auf einer vorgelagerten Anhöhe. Man durchquert den Ort und es gibt tatsächlich ein klein wenig Publikum. Das mag aber daran liegen, dass oben auf dem Berg  eine beliebte Wallfahrtskirche steht. Und das muss überhaupt an dieser Stelle gesagt werden: wer auf ein kurzweiliges Lauferlebnis mit Party an der Strecke a' la Berlin-Marathon hofft wird sich wundern. Dieser Lauf ist von der Sorte "allein gegen den Wind". Außer einigen Wanderern die sporadisch Beifall spenden, den freundlichen Worten der Helfer und den privaten Begleitern mancher LäuferInnen, die netterweise alle anfeuern bist du allein auf dich gestellt, Landschaftslauf pur eben!

Und "nuff" geht's, den Kreuzweg zur Wallfahrtskirche auf den Hohenrechberg. Steil, aber bester Flüsterasphalt, man kann problemlos durchlaufen. Allerdings haben schon einige Ihre Körner verschossen und müssen nun gehen. Dabei passiert man bei Beginn des Anstiegs erst die 25km - Marke. Der Trick ist nämlich folgender: das Ziel des 25km Laufes ist oben auf dem Berg bei km 25,6. Wissen muss man das schon, wenn man beim finishen dieser Teilstrecke eine gute Figur machen will. Will ich aber nicht. Ich trabe im typischen Bergauf-Kurztretstil links an Teilziel vorbei, schnappe mir Tee und Wasser und entschwebe dieser dichtesten Menschenansammlung seit dem Start. Steil, steil hinunter, wie nach dem Staufen. Ich spüre plötzlich eine Sehne am rechten Fuß, nicht die von Achill, nein die auf der Vorderseite - weiß nicht mal wie man sie nennt, da hatte ich nämlich noch nie was. Unten wird's wieder flach - letztes Jahr hat es hier gekraupelt - und die Sehne ist gleich wieder vergessen.

Helmut Schiessel Herbert Roos am Abstieg vom Hohenrechberg


Entlang der Hauptstraße geht es nun zum dritten und letzten Kaiserberg. Mit 720 Metern ist der Stuifen der höchste von ihnen. Hauptstraße, Feldweg, Waldweg, Wurzelpfad. So werden die Wege nun Stück um Stück "gedownsized". Die Wurzelwege führen einen in einer Schraube auf den Berg hinauf. Die Steilstücke gehe ich, weil das ökonomischer ist. Geht aber sehr gut dieses Jahr, besonders wenn ich an die Suhle im Matsch des Vorjahres denke - drei Schritte vor, zwei zurück hieß es damals. Oben warten schon die "Aufseher" des Veranstalters und verpassen uns einen Kontrollstempel (was besagt eigentlich das Einhorn?). Den hat aber wie in schon in der Vergangenheit im Ziel keiner kontrolliert. Alb-LäuferInnen sind halt ehrliche Häute, ich habe jedenfalls noch nichts von Betrügern gehört, ganz im Gegensatz zum Bieler 100er, wo ich Auto-Mitnahmen schon life beobachten konnte. Aber welcher Betrüger kann sich schon selber vormachen, den Lauf geschafft zu haben, denen geht's ausschließlich um Außendarstellung, mehr scheinen als sein liegt durchaus im Trend der Zeit, siehe Neuer Markt.

Nach km 32 geht es in eine Wendepunkt-Strecke. Einmal um die Reiterleskapelle, kurze aber kernige Anstiege und zurück über den Asphalt kommt mir bei km 36 Renate Fischer entgegen. Die kenne ich vom sehen, denn sie ist bei all den regionalen Laufen von 10km bis Halbmarathon fast immer dabei. Es ist ihr erster 50er und sie sieht noch sehr gut aus. Muss was dran sein, dass man sagt die Mädels stellen sich klüger an, was die Renneinteilung anbelangt. Doof ist aber nur der , der den selben Fehler wiederholt. Nach meinen Raketenstart 2001 (nach 2:04 auf dem Rechberg ist das Tempo für Vier-Stunden-Läufer) hab' ich da wo ich mich nun befinde den Mann mit dem Hammer getroffen und mich gerade so mit 5 Stunden ins Ziel geschleppt. Doch heut' habe ich es mir besser eingeteilt. Das lange Gefälle nach Waldstetten hinunter kann ich es so richtig laufen lassen. Von nun an haben mich nur noch drei Läufer überholt, ansonsten war ich es, der auf der Überholspur lief. Ab jetzt trinke ich auch regelmäßig einen Becher Cola an den Verpflegungspunkten. Nachbrenner. Und bei mir funzt der! Von nun an erhöhe ich auch meinen Puls auf 157 - 160 Schläge.

Renate Fischer, 5. W45 Nr. 111, Werner Hahn Herbert Roos, bei Waldstetten


Tränke bei Waldstetten, Cola und Wasser. Danach der letzte fiese Anstieg. Ich muss nur für einige Meter am steilsten Stück gehen, komme aber sonst ganz gut über den Berg. Nun geht es die letzten sieben Kilometer auf dem zum Radweg umgebauten Bahndamm hinab nach Schwäbisch Gmünd. Ein letztes mal trinke ich um km 45 zwei Becher Wasser. Gelegentlich begegnen mir Spaziergänger oder ein Radler. Ein älteres Ehepaar spendet gar Applaus und freut sich als ich mich für die Anerkennung bedanke. Unterwegs taucht vor mir hie und da noch ein Läufer auf, den ich überholen kann. Die letzte Tränke lasse ich sausen, bringt eh nix mehr und stört den Rhythmus. Dann geht es über eine Brücke und scharf nach rechts die Fils entlang auf den letzten Kilometer. Ich höre den Lautsprecher. Was das Anfeuern durch Zuschauer anbelangt aber Fehlanzeige. Kaum einer da. Macht aber nichts, das Thema hatten wir ja schon. Ich finishe in für mich unverhofft guten 4:35:49, das sind immerhin glatte 5:30/km. Und das beste: Werner, der mich in Biel so kurz vor dem Ziel abgehängt hat ist auch noch nicht da!

Sieger Jürgen Wieser zweiter Helmut Schiessl Sieger M60 Uli Mertz


Im Zielbereich gibt's die Medaille, die mit dem joggenden Einhorn. Was das Vieh bedeutet soll habe ich hier herauszufinden versucht. Als ich aber am Morgen die Stuttgarter las, kam da ein Bericht über ein Peter Maffay Projekt. Tabaluga der Drache oder so. Und jetzt halt dich fest: der sieht GANZ GENAU so aus wie das Schwäbische-Alb-Marathon Einhorn, nur ohne Horn eben. Aber das ist wohl eine andere Geschichte.

Finisher H.Roos Werner Hahn Renate Fischer


Drei Becher Tee und zwei mit Wasser helfen mir rasch wieder auf die Sprünge. Ah ja, viel kann man ja nicht verbessern in Gmünd, aber ein paar Holzbänkchen a la Biel im Zielraum wären genial. Die eine einzige war jedenfalls ein wenig knapp und das Mäuerchen als Sitzgelegenheit ist jedenfalls arschkalt um die Jahreszeit! Als ich mich soweit gefasst habe bin ich in die Turnhalle 'rübergejoggt, auslaufen quasi. Und gleich zur Massage. Was soll ich euch sagen?  So was hab' ich mit meinen rund 50 Marathons noch nie erlebt. Nicht etwa die gewohnte 4-Minuten Blitz Massage, nö! Nach allen Regeln der Kunst werde ich fast zwanzig Minuten lang von einem sehr sympathischen jungen Mann von der lokalen Schule für Physiotherapie behandelt - mir fehlen die Worte! Hier treffe ich auch Renate Fischer aus Hirschau wieder. Die ist mit 4:59 sehr zufrieden. Kann sie auch bei Platz 5 in der Klasse W45. Dazu noch die 5-Stunden Schallmauer unterboten, gratuliere.

In der Halle treffe ich Werner Hahn und Uli Mertz. Uli grinst über beide Ohren und lässt sich mal wieder aus der Nase ziehen, dass er in hervorragenden 4:23 die Klasse M60 gewonnen hat. Werner hatte Probleme mit dem Bergablaufen kommt aber bei seinem ersten Alb-Marathon mit guten 4:55 sicher ins Ziel.

In der Halle erfahre ich auch, dass es Jürgen Wieser zum siebten Male gelungen ist den Sieg zu holen. Hauptkonkurrent Helmut Schiessl musste nach ernsten Magenproblemen mit dem zweiten Rang vorlieb nehmen. Bei den Damen fehlte in diesem Jahr die Top-Klasse und "Homegirl" Andrea Calmbach konnte den Gesamtsieg für sich verbuchen.

Wir verbrachten noch einen netten Abend in der Halle und Uli, Werner und ich waren uns einig, dass man sich in Biel 2004 wieder treffen wird. Dem Veranstalter kann ich nur meinen Dank für diese bestens organisierte wunderbare Laufveranstaltung zollen.

Herbert Roos, 22. Oktober 2003

1. Bericht in der Gmünder Tagespost vom 20.10.2003
2. Bericht in der Gmünder Tagespost vom 20.10.2003
Bericht in Laufreport.de
Offizielle Seite der DJK Schwäbisch Gmünd
Ergebnisse 50km-Lauf 2003